Impfung Wien
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Der Wiener Impfplan. Wann und wo Sie Ihre Corona-Impfung erhalten. (Aktualisiert 8.4.2021)

Impfstoffkürzungen und steigende Infektionszahlen bringen den Wiener Impfplan durcheinander. Stadtrat Hacker reduziert nun das Impfziel, gleichzeitig setzt die Stadt auf spontane Aktionen. Welche Personengruppen wann Ihre Impfung bekommen. Die Details.

Voraussetzung für eine Impfung ist eine Vormerkung: seit 18. Jänner können sich alle Wienerinnen und Wiener unter ‘impfservice.wien‘ oder der Hotline 1450 für eine Corona-Impfung vormerken lassen. Erfasst werden neben dem Alter auch die Risikofaktoren. Entsprechend dieser Kriterien werden die Personen dann zur Impfung in einer der öffentlichen Impfzentren der Stadt Wien eingeladen (Standorte der Einrichtungen: Karmelitergasse (1020), TownTown (1030), Gesundheitszentrum Neubau (1070), Am Schöpfwerk (1120), Hanusch-Krankenhaus (1140), Gasgasse (1150), Martinstraße (1180), Karl-Aschenbrenner-Gasse, Wassermanngasse (1210), Schrödingerplatz, Austria-Center-Vienna und Bruno-Kreisky-Platz (1220)).

Über den Ort der Impfung wird man verständigt, aussuchen kann man sich diesen nicht. Weiters werden Impfungen auch direkt in Betrieben und ab Mitte April bei zahlreichen niedergelassenen Ärzten durchgeführt.

Wichtige Informationen:

  • Die Corona-Schutzimpfung ist für alle Wienerinnen und Wiener kostenlos
  • Die Corona-Schutzimpfung ist ab 16 Jahren möglich.
  • Für den vollen Impfschutz sind – mit Ausnahme des neu zugelassenen Impfstoffs von Johnson & Johnson (nur 1 Impfung notwendig) – 2 Teil-Impfungen notwendig
  • Die Zeiträume zwischen 1. und 2. Teilimpfung sind je nach Impfstoff verschieden:
    • 3 bzw. 6 Wochen (BioNTech/Pfizer)
    • 4 Wochen (Moderna)
    • 11 bis 12 Wochen (AstraZeneca)

Aktuell werden noch keine Impfungen bei niedergelassenen Ärzten durchgeführt, dies soll dann Mitte April erfolgen. Hier sollen die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson (neu zugelassen) zum Einsatz kommt, die einfach handzuhaben sind. Denn der Impfstoff von Pfizer/Biontech muss bei rd. -70°C gelagert und vorort mit Natriumchlorid verdünnt werden.

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gibt es mobile Impfteams geben. Hier wird der weniger transportempfindliche Impfstoff von Moderna verimpft. Mittlerweile ist auch bekannt geworden, dass der Impfstoff von Pfizer/Biontech verwendet werden kann, wenn er vorher mit der Nadel aufgezogen wurde.

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Aktueller Stand der Impfungen

Mit Stand 08.04.2021 haben sich rund 760.000 Personen für eine Corona-Impfung online oder telefonisch in Wien vorgemerkt. Etwa 285.000 Menschen haben die erste Teilimpfung bislang erhalten und 100.000 davon bereits die zweite Teilimpfung. Die aktuellen Zahlen veröffentlicht Wien auf einem eigenen Dashboard.

Gerechnet auf die Wiener Bevölkerung ergibt sich ein Anteil von 14%, der zumindest eine Teilimpfung erhalten hat, 5% haben beide Impfungen hinter sich.

Ab 12.04.: Aktion 65+ & Hochrisiko

Die Stadt Wien organisiert je nach Priorisierung und Impfstoffverfügbarkeit spontane Impfaktionen. So standen etwa im Rahmen der “SeniorInnenaktion” am 20. und 21.März 9.000 zusätzliche Impftermine für Menschen über 75 Jahre zur Verfügung.

Mit 09.04. schaltet die Stadt rd. 105.000 Impftermine frei, die sich wie folgt aufteilen:

  • 75.000 Impftermine für 65+ (Jg. 1956 oder älter)
  • 22.500 Für HochrisikopatientInnen 18+ (Jg. 2003 oder älter)
  • 4.000 für Kontaktpersonen von Schwangeren
  • 4.000 für vorgemerkte Personen mit Behinderungen

Impfstart ist dann jeweils der 12.04. Die Berechtigung für die Impfung ist nachzuweisen.

Lieferausfälle verzögern Durchimpfung

Wie ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker vor kurzem bekanntgab, gibt es aktuell Lieferausfälle: “Statt 20.000 Dosen AstraZeneca haben wir 3.700 bekommen. Stabile Planung ist so nur schwer möglich”. Das größte Problem sieht die Stadt bei den Impfstoffmengen, die geliefert werden: “Mit den zugesagten Liefermengen (Lieferausfälle und -schwankungen bereits eingerechnet) kommen wir derzeit auf 6.700 Impfungen pro Tag (Erststiche + Zweitstiche). Ein Sechstel. (Anm.: der Impfkapazitäten)“. (Quelle)

Bei der Pressekonferenz vom 31.03. präsentierte Gesundheitsstadtrat Hacker die Übersicht der zu erwartenden Impfstoffmengen im April. Während die Lieferungen von BioNtech/Pfizer kontinuierlich steigen, gibt es bei AstraZeneca extreme Schwankungen. Vom vierten zugelassenen Impfstoff (Johnson & Johnson) werden Mitte April die ersten Lieferungen erwartet.

Quelle: Stadt Wien

Damit ist man auch deutlich von den noch Anfang März kommunizierten 100.000 Impfdosen pro Woche im April entfernt. Die angestrebte Durchimpfung von 70% der Wienerinnen und Wiener mit Ende Juni ist damit auch nicht mehr haltbar. Stadtrat Hacker revidiert das Ziel auf 60%.

AstraZeneca auch für ältere Menschen

Wie der Medizinische Direktor des Wiener Gesundheitsverbundes Michael Binder am 3.3.2021 erklärte, werden alle in Wien alle 3 in Österreich zugelassenen Impfstoffe verwendet (AstraZeneca, Biontech/Pfizer, Moderna). Er sieht diese als sehr gute Impfstoffe. Aufgrund neuer Studienergebnisse aus England, Schottland und Irland hat die Stadt Wien entschieden, den bisher nur bei unter 65jährigen eingesetzten Impfstoff von AstraZeneca auch bei älteren Menschen zu verwenden. Auch der aktuelle Impfstopp bei AstraZeneca bei unter 60jährigen in Deutschland hat derzeit auf den Impfplan keine Auswirkung, da dieser weiterhin verwendet wird.

Rückdeckung für diesen Vorstoß gibt der Infektiologe Herwig Kollaritsch, der auch Mitglied des nationalen Impfgremiums ist im ZIB2-Interview am 3.3.2021:

Infektiologe Herwig Kollaritsch im ZIB2-Interview, 3.3.2021, ORF

Der Wiener Impfplan

Der Wiener Impfplan sieht insgesamt 4 Phasen vor, die sich nach der Dringlichkeit richten. Derzeit wird die Phase 1 abgeschlossen, in der u.a. BewohnerInnen von Alten- und Pflegeeinrichtungen geimpft werden. Etwa 43% aller Todesopfer in Österreich sind in dieser Zielgruppe zu beklagen. Eine rasche Impfung sollte die Anzahl der Todesfälle deutlich reduzieren, was nach ersten Erkenntnissen auch bereits gelungen ist. In einer Aussendung der Stadt Wien wird berichtet, dass die Anzahl der aktiven Erkrankungen in den Wiener Alten- und Pflegeeinrichtungen um 87% abgenommen hat.

Impfpyramide

Im März werden wir beginnen, erste Zielgruppen
aus der Phase 2 einzuladen

gesundheitsStadtrat peter hacker

Phase 1: Primäre Zielgruppe (Hochrisikogruppe)

In die Phase 1 fallen folgende Zielgruppen:

  • Alten- & Pflegeeinrichtungen (Betr. Personal und Klientlnnen)
  • Mobile Pflege (Personal und Klientlnnen)
  • Gesundheitspersonal im hochexponierten Bereich (z.B. Notfallambulanz, Covid-Station, ICU)
  • Gesamtes Personal innerklinisch
  • Niedergelassener ärztlicher Bereich (z.B. Hausärztinnen, Zahnärztinnen)
  • Rettungsdienste (rd. 2.600 Personen)
  • COVID-Labore
  • Ältere Personen
    • > 85 Jahre (rd. 39.000 Personen)
    • > 80 Jahre (rd. 41.000 Personen)
  • NEU: Personen mit Behinderung inkl. persönlicher Assistenz
  • NEU: Pflegebedürftige in Heimpflege

Zwischen 15.1.-18.1. fand eine große Impfaktion für niedergelassene ÄrtzInnen und deren MitarbeiterInnen statt. In 14 Impfstraßen in der Messe Wien wurden innerhalb von vier Tagen bis zu 11.000 Personen aus diesem Bereich geimpft werden. 

Phase 2: Erweiterte Risikogruppe

In die Phase 2 fallen folgende Zielgruppen:

  • Betreuungseinrichtungen (Obdachlosen-, Behinderteneinrichtungen, etc.) (rd. 14.200 Personen)
  • Bildungspersonal/ inkl. Kindergarten (rd. 80.000 Personen)
  • Polizei (rd. 12.000 Personen)
  • Risikogruppen (z.B. Herzinsuffizienz, Schwäche des Immunsystems)
  • Ältere Personen
    • > 75 Jahre (rd. 77.000 Personen)
    • > 70 Jahre (rd. 77.000 Personen)
  • Enge Kontaktpersonen von Schwangeren
  • Apotheken
  • Körpernahe Gesundheitsdienstanbieterinnen (rd. 8.150 Personen)

In einer Impfaktionen ab 3. März 2021 bekommen LehrerInnen und KindergartenpädagogInnen ihren Erststich. 35.000 PädagogInnen sollen so bis Ende März teilimmunisiert werden.

Phase 3: Allgemeine Risikogruppe / Betriebe

In die Phase 3 fallen folgende Zielgruppen:

  • Kritische lnfrastruktur wie Feuerwehr (inkl. Sozialberufe, Seelsorge, Bestattung, ÖBB, Wiener Linien, etc.)
  • Schlüsselpersonal Regierung
  • Internationale Organisationen (rd. 1.000 Personen)
  • Ältere Menschen
    • Personen > 65 Jahre (rd. 81.500 Personen)
    • Personen > 60 Jahre (rd. 102.700 Personen)
  • Personen in körpernahen Arbeitsverhältnissen (Post, Fleischerei, Leiharbeit) (rd. 20.000 Personen)
  • Einzelhandel (rd. 74.000 Personen)
  • Gastronomie / Tourismus (rd. 70.000 Personen)
  • Berufliche Grenzpendler (Pilotinnen, Flugbegleiterlnnen, etc.)
  • Nicht-medizinische körpernahe Berufe (rd. 10.000 Personen)
  • Kulturschaffende (rd. 14.300 Personen)
  • Mannschaftssport
  • Studierende und Lernende (rd. 430.000 Personen)

Phase 4

  • Personen > 16 Jahre (rd. 1 ,2 Mio Personen)

Der Fahrplan im Detail

Die Stadt Wien aktualisierte ihren Fahrplan für die Covid-Impfungen am 31.03. Hier sind die Starttermine für die einzelnen Personengruppen gut erkennbar:

Quelle: Stadt Wien


Fazit

Wien ist für ein deutlich höheres Impftempo gerüstet, hängt aber am Tropf der Lieferungen durch den Bund. Die Erfahrungen und die Infrastruktur, die durch die breit angelegten Testmöglichkeiten gesammelt und aufgebaut wurden, würden einen Umstieg von Testressourcen auf Impfressourcen relativ einfach machen. Eine Massenimpfung wäre daher gerade in Wien erfolgreich durchführbar.

Die recht kurzfristige Vorziehung der Risikogruppe der Pädagoginnen lässt durchaus auf ein Infektionsgeschehen im Schul- und Kindergartenbereich schliessen. In diesem Bereich sind auch Auswirkungen bei Infektionen besonders groß, da im Fall von zwei Infektionen in einer Klasse die gesamte Klasse in eine mittlerweile 14tägige Quarantäne geschickt wird.

Wie die Stadt Wien bekannt gab, sind erst 55% der über 90 Jährigen geimpft. Generell hinkt Wien bei der Impfquote der älteren Bevölkerung anderen Bundesländern hinterher. Mit Spontanaktionen wird offensichtlich versucht, diese Risikogruppen stärker zu erfassen.

Wichtig: wir erhalten immer wieder Zuschriften betreffend Impfterminen und individuellen Auskünften. Diese können wir nicht erteilen. Bitte wenden Sie sich an die Hotline 1450 für impfspezifische Fragen.



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