Impfung Wien
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Der Wiener Impfplan im Detail. Wann und wo Sie Ihre Corona-Impfung erhalten.

Nun steht die Entscheidung, dass die Impfungen durch die Bundesländer organisiert werden. Und: die bisher gelebte Praxis in Wien wird von den Bundesländern quasi übernommen, meint der Sprecher des Wiener Gesundheitsstadtrats Peter Hacker und nennt Stadtpolitik Wien Details zum Impfplan der Stadt.

Wien wird sein erprobtes System fortsetzen: die Impfstoffkontingente des Bundes werden von der Stadt bei der Bundesbeschaffungsagentur abgerufen, der Bedarf bei Pflegeheimen, Spitälern, etc. ermittelt und das Bundesheer übernimmt dann die Logistik dorthin.

Gleich vorweg: ab 18. Jänner 10.00h können sich alle Wienerinnen und Wiener unter ‘impfservice.wien’ für eine Corona-Impfung vormerken lassen. Erfasst werden neben dem Alter auch die Risikofaktoren. Entsprechend dieser Kriterien werden die Personen benachrichtigt und gruppenweise in mehreren Impfstraßen (Update 12.01.21) oder einem der bestehenden 12 Impfzentren geimpft.

Die Impfung in Zentren hat auch einen technischen Hintergrund. Die bei rd. -70°C gelagerten Fläschchen werden aufgetaut und vorort mit Natriumchlorid verdünnt. In diesem Zustand ist der Impfstoff gegenüber Erschütterungen empfindlich und kann daher nicht mehr transportiert werden.

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität soll es mobile Impfteams geben. Hier soll der weniger transportempfindliche Impfstoff von Moderna verimpft werden.

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Aktueller Stand der Impfungen

Rund 24.000 Dosen wurden in Wien bereits verimpft bzw. stehen in den nächsten Tagen zur Impfung an. Erhalten haben diese rd. 17.000 BewohnerInnen von Pflegeheimen, der Rest ging an die PflegerInnen bzw. medizinisches Personal. Exakt schlüsseln sich die Impfungen wie folgt auf:

  • 27.-30.12.20: 2.040. Dosen
  • 6.1.-11.1.2021: 6.924 Dosen
  • ab 12.1.2021: 15.000 Dosen

Sobald weitere Impfkontingente eintreffen, wird in den institutionalisierten Bereichen wie Polizei, Spitäler etc. geimpft. Danach folgt die Priorisierung entsprechend dem Risiko und hier sind in der Primären Zielgruppe auch jene 80.000 Wienerinnen und Wiener über 80 Jahre enthalten, die außerhalb von Pflegeheimen wohnen.

Wann beginnen die Impfungen der älteren Bevölkerung außerhalb von Pflegewohnheimen?
“Realistisch reden wir von Ende Jänner
spätestens Mitte Februar (Update Pressekonferenz Ludwig/Hacker 12.01.21)

Mario Dujaković , Pressesprecher gesundheitsStadtrat peter hacker
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Der Wiener Impfplan

Der Wiener Impfplan sieht insgesamt 4 Phasen vor, die sich nach der Dringlichkeit richten. Derzeit stehen wir in Phase 1, in der gerade fast ausschließlich BewohnerInnen von Alten- und Pflegeeinrichtungen geimpft werden. Etwa 43% aller Todesopfer in Österreich sind in dieser Zielgruppe zu beklagen. Eine rasche Impfung sollte die Anzahl der Todesfälle deutlich reduzieren.

Impfpyramide

Mit dem Rollout der Impfungen ändert sich nun auch der Verteilungsschlüssel der Impfkontingente des Bundes. Hier soll sich der Anteil der Bevölkerung widerspiegeln. Auf Wien entfallen somit etwa 22% der Impflieferungen an Österreich. Das entspricht bei 1,2 Mio. Dosen für Österreich im 1. Quartal rd. 20.000 Dosen wöchentlich, bevor weitere Zulassungen (AstraZeneca) folgen und damit die Kontingente erhöhen.

Die Lieferungen des Bundes werden wie folgt erwartet (Update 12.01.21)

Quelle: Stadt Wien

Phase 1: Primäre Zielgruppe (Hochrisikogruppe)

In die Phase 1 fallen folgende Zielgruppen:

  • Alten- & Pflegeeinrichtungen (Betr. Personal und Klientlnnen)
  • Mobile Pflege (Personal und Klientlnnen)
  • Pflegebedürftige in Heimpflege
  • Gesundheitspersonal im hochexponierten Bereich (z.B. Notfallambulanz, Covid-Station, ICU)
  • Gesamtes Personal innerklinisch
  • Niedergelassener ärztlicher Bereich (z.B. Hausärztinnen, Zahnärztinnen)
  • Rettungsdienste (rd. 2.600 Personen)
  • COVID-Labore
  • Ältere Personen
    • 85 Jahre (rd. 39.000 Personen)
    • >80 Jahre (rd. 41.000 Personen)

Update 12.01.: von 15.1.-18.1. soll es eine erste große Impfaktion für niedergelassene ÄrtzInnen und deren MitarbeiterInnen stattfinden. Dafür wird es 14 Impfstraßen in der Messe Wien geben, innerhalb von vier Tagen sollen bis zu 11.000 Personen aus diesem Bereich geimpft werden. 

Phase II: Erweiterte Risikogruppe

In die Phase 2 fallen folgende Zielgruppen:

  • Betreuungseinrichtungen (Obdachlosen-, Behinderteneinrichtungen, etc.) (rd. 14.200 Personen)
  • Polizei (rd. 12.000 Personen)
  • Risikogruppen (z.B. Herzinsuffizienz, Schwäche des Immunsystems)
  • Ältere Personen
    • 75 Jahre (rd. 77.000 Personen)
    • > 70 Jahre (rd. 77.000 Personen)
  • Enge Kontaktpersonen von Schwangeren
  • Apotheken
  • Körpernahe Gesundheitsdienstanbieterinnen (rd. 8.150 Personen)

Phase III: Allgemeine Risikogruppe / Betriebe

In die Phase 3 fallen folgende Zielgruppen:

  • Kritische lnfrastruktur wie Feuerwehr (inkl. Sozialberufe, Seelsorge, Bestattung, ÖBB, Wiener Linien, etc.)
  • Bildungspersonal/ inkl. Kindergarten (rd. 80.000 Personen)
  • Schlüsselpersonal Regierung
  • Internationale Organisationen (rd. 1.000 Personen)
  • Ältere Menschen
    • Personen >65 Jahre (rd. 81.500 Personen)
    • Personen >60 Jahre (rd. 102.700 Personen)
  • Personen in körpernahen Arbeitsverhältnissen (Post, Fleischerei, Leiharbeit) (rd. 20.000 Personen)
  • Einzelhandel (rd. 74.000 Personen)
  • Gastronomie / Tourismus (rd. 70.000 Personen)
  • Berufliche Grenzpendler (Pilotinnen, Flugbegleiterlnnen, etc.)
  • Nicht-medizinische körpernahe Berufe (rd. 10.000 Personen)
  • Kulturschaffende (rd. 14.300 Personen)
  • Mannschaftssport
  • Studierende und Lernende (rd. 430.000 Personen)

Phase IV

  • Personen > 16 Jahre (rd. 1 ,2 Mio Personen)

Der Fahrplan im Detail (Update 12.01.21)

Nachstehend der Fahrplan der Priorisierung nach Zielgruppen und Kalenderwochen (Stand 12.01.21)

Quelle: Stadt Wien

Gibt es ein Impf-Dashboard?

Während der Bund die Entwicklung eines elektronischen Impfpasses 2008 ins Leben gerufen und bis zur Implementierung einen Zeitraum von nicht weniger als 22 (!) Jahren veranschlagt hat, gibt es diesen bereits in Wien. Bei jeder Impfung erfolgt somit neben der Eintragung im Impfpass eine Meldung an die ÖGK. Der Bund erhält damit praktisch realtime die Impfzahlen aus Wien. Wie und in welcher Frequenz der Bund dann die Zahlen veröffentlicht, konnte man nicht mitteilen. Update 12.01.21: Es soll ein eigenes Dashboard für Wien geben. Die Entwicklung hat dzt. noch keie Priorität.

Fazit

Gegenüber dem Planungsstand vor 14 Tagen haben sich die Prioritäten deutlich geändert, da nun bereits ab Ende Jänner die Impfung älterer Personen außerhalb von Pflegeheimen beginnt. Vor 2 Wochen war diese Zielgruppe erst für das 2. Quartal 2021 vorgesehen.

Bis Ende März wird man österreichweit wohl keine nennenswerten Aufstockungen von Kontingenten erwarten können. Die Zulassung des Impfstoffes von Moderna ist jüngst erfolgt, aber die bestellten Mengen sind vergleichsweise klein. Die Kontingente für den Impfstoff von AstraZeneca sind substantiell, aber die Zulassung ist erst im Februar zu erwarten und erste Lieferungen folgen dann wohl erst im März/April.

Man muss sich daher gedulden. Bei 20.000 Impfdosen pro Woche braucht man dann schon gut 3 Wochen um einen Großteil der BewohnerInnen über 80 Jahre zu impfen. Damit wäre der Februar fast verbraucht. Und: man benötigt schließlich 2 Teil-Impfungen. Hier wird sich zeigen, ob man etwa dem Beispiel Großbritannien folgt und die 2. Teilimpfung hinauszögert. Selbst dann würde man zeitlich wohl schon mit dem Fuß im zweiten Quartal stehen.

Eine breite Verimpfung ist auch nach Ansicht des Gesundheitsministerium erst mit Aufstockung der Kontingente ab Mai 2021 zu rechnen.

Updates basieren auf den Informationen, die Bürgermeister Ludwig und Stadtrat Hacker am 12.01.21 im Rahmen einer Pressekonferenz gegeben haben.

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